Über die wissenschaftliche Weltauffassung

Eine der im Kern wichtigsten Standpunkte der alten Wiener Kreis (WK) aber auch des Neuen Wiener Kreis (NWK) ist die sogenannte wissenschaftliche Weltauffassung. Am kompaktesten wird sie wohl in diesem Artikel aber auch in einem 1929 vom WK publiziertem Manifest mit dem Titel: “Wissenschaftliche Weltauffassung. Wiener Kreis.” dargestellt.

Sie wird hier in Stichworten und Sätzen kurz darlegen:

.) Der sogenannte <Wiener Kreis der wissenschaftlichen Weltauffassung> sucht eine metaphysikfreie Atmosphäre zu schaffen, um wissenschaftliche Arbeiten auf allen Gebieten durch logische Analyse zu fördern. (~Neurath)

.) Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen. – Wittgenstein.

.) Von der Warte der wissenschaftlichen Weltauffassung wird die metaphysische Weltauffassung abgelehnt.
– Manifest d. WK. Reclam #190002. S. 16.

.) Der Alte Wiener Kreis bestimmte die wissenschaftliche Weltauffassung im wesentlichen durch 2 Verortungen:
a.) Empirisch und positivistisch.
b.) Die logische Analyse.

.) Obwohl die wissenschaftliche Weltauffassung des alten WK selbst wenig politisch war wurde sie von den beiden damaligen politisch aktiven Linken wie Rechten kritisiert: Die Linken nannten den WK eine Sekte, technokratisch, blind und unkritisch. Während der Rechte politische Flügel von damals, sie einer inhaltsleeren Logik bezichtigte und ihnen entgleisende Forschungsmethoden vorgeworfen hatten. (~Geiler)

Der Neue Wiener Kreis ist gegenüber solchen Vorwürfen vollständig immun. Einzig dadurch das die einzig relevante Unterscheidung welche im NWK getroffen wird, die Unterscheidung zwischen wahr und unwahr ist. Damit fehlt ihm alles, dass politisch sein könnte.

.) Empirische Wissenschaften untersuchen die physische, geistige oder soziale Welt, deren singuläre Tatsache wahrnehmbar sind, und können ihre Behauptungen allenfalls bestätigen oder widerlegen. (~Detel)

.) Die Position des Alten und Neuen WK stehen thematisch auf der Erkenntnislehre der exakten Wissenschaften und sind auf die Einheit der Wissenschaften ausgerichtet: Der NWK favorisiert neben der Sprache, Begriffe, Mathematik und Logik die Systemwissenschaften und mit ihr die Mustererkennung als Fundament für diese allumfassende und mögliche Einzelwissenschaft.

Logischer Positivismus:

Der Logische Positivismus – auch logischer Empirismus genannt – ist eine wissenschaftstheoretische Strömung, die sich zum Ziel setzte, die Philosophie nach wissenschaftlichen und objektiven Kriterien zu erneuern. Vertreten und begründet wurde er besonders durch den Wiener Kreis (1922-1936).

Vorangetrieben durch den Fortschritt der Naturwissenschaften (und gleichzeitigen Stillstand der Philosophie), wollte man den philosophischen Wissenserwerb dem der empirischen Wissenschaften angleichen. Vor allem war man auf der Suche nach klaren Kriterien zur Beurteilung, ob bestimmte Aussagen (wissenschaftlich) gültig oder ungültig seien.

– Der konstruktive Empirismus (manchmal: empiristischer Strukturalismus genannt) ist eine wissenschaftstheoretische Schule, nach der die Naturwissenschaften ausschließlich darauf abzielen, empirisch adäquate Theorien zu konstruieren. Dabei gilt: Eine Theorie heißt empirisch adäquat, erst dann, wenn das, “was sie über die beobachtbaren Dinge und Ereignisse in dieser Welt sagt, wahr ist.”

(Dieser Absatz ergibt sich aus der konsequenten Anwendung der pragmatischen Wahrheitsdefinition. Demnach ja alles genau dann Wahr ist, wenn es funktioniert. Das heißt Theorie und Praxis kommen übereinander Deckungsgleich zu stehen. (Neuer Wiener Kreis.) )

Analytische Philosophie: Ist eine Sammelbezeichnung für bestimmte philosophische Ansätze, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden. Diese Ansätze stehen in einer Tradition, die zunächst hauptsächlich mit idealen Sprachen (formalen Logiken) oder durch Analyse der gebräuchlichen Alltagssprache operierte. Anfangs standen viele schulbildende Vertreter dem Logischen Empirismus
(Wiener Kreis u. a.) nahe. Dort herrschte eine Skepsis gegenüber metaphysischen Begriffen vor. (~Wiki, NWK.)

Empirismus: Der Ausdruck Empirismus wird bei Klassifikationen erkenntnistheoretischer Ansätze für Theorien verwendet, denen zufolge Wissen, verstanden als gerechtfertigte wahre Erkenntnis, zuerst oder ausschließlich auf Sinneserfahrung beruht (einschließlich der Verwendung wissenschaftlicher Instrumente).
(~Wiki, NWK.)

– Neo-(Positivismus): Positivismus ist eine Richtung in der Philosophie, die fordert, dass Erkenntnisse, die den Charakter von Wissen beanspruchen, auf die Interpretation von „positiven“, d. h. von tatsächlichen, sinnlich wahrnehmbaren und überprüfbaren Befunden beschränkt werden. Diese Denkrichtung findet sich der Sache nach schon in der griechischen Antike. Als Neugründung des 19. Jahrhunderts stand sie im Gegensatz zu traditionell vorherrschenden scholastischen Sichtweisen einer Transzendentalphilosophie. Letztere behaupteten hingegen, Wissen werde durch ewig gültige – und letztlich von Gott geschaffene – Eigenschaften des Verstandes erzeugt, die Vernunft. Dies könne anhand positiver Befunde nachgewiesen werden. (~Wiki, NWK.)

Im Rahmen von Erfindungen, Entdeckungen und der Erweiterung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in der Renaissance waren diese traditionellen philosophisch-religiösen Erklärungsversuche schon seit längerem fragwürdig geworden. Dieser historische Befund dürfte zu der weitreichenden Forderung des Positivismus geführt haben, dass positive Befunde im Unterschied zu der bis dahin üblichen Praxis ohne theologische und metaphysische Erklärungen interpretiert werden sollten. (~Wiki, NWK.)
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Das stellt hier einen groben Überblick dar. Wer Mehr dazu lesen möchte, sei auf das 1929 erschienene Buch des – Wiener Kreis verwiesen. Danke für ihr Aufmerksamkeit, ich hoffe sie konnten auch nur einen einzigen Satz in diesem Artikel für sich selbst haltbar machen.

Bernhard Freismuth.